Hygienebericht

Hygienebericht vom 1. Januar 2020 bis 30. Juni 2020

Eine bewegte Zeit im Griff von Corona, hygienisch geprägt von fehlendem, dringend benötigtem Schutzmaterial, wie Hygienemasken, Händedesinfektionsmittel, Schutzkitteln und Schutzbrillen sowie dem Umgang mit einer völlig neuen und gefährlichen Erkrankung, welche vor allem für unsere verletzliche Kundschaft gefährlich gewesen wäre. Die Lage wurde durch das fehlende Pandemiekonzept erschwert, aber, ich denke wir haben die Krise dank der guten Zusammenarbeit gemeinsam und laufend gemeistert. Nicht zuletzt dank der Entscheidungsfreudigkeit der Leitung und der Flexibilität sowie dem Mittragen des gesamten Teams! Einfach toll zu spüren, wie wir uns gemeinsam tragen können!
Die Vorgaben vom Bund mussten bekannt gemacht und umgesetzt werden sowie die vorgegebenen Papiere vom Bund auf unsere Organisation adaptiert werden, ein Schutzkonzept für das Zentrum musste erstellt werden (Flächendesinfektion, lüften, Abstand halten, nicht mehr als 5 Personen in einem Raum, Umgang mit Verdacht auf Covid-19-Erkrankung etc.)
Ganz sicher haben wir dank der Krise einen Quantensprung in unserer Organisation gemacht, wie z.B. in Bezug auf die Elektronik sowie des Arbeitens im Homeoffice. Die Krise hat uns gelehrt, dass wir unser eigenes Lager an Schutzmaterial anschaffen und bewirtschaften müssen. Wir dürfen uns nicht von anderen Organisationen in Abhängigkeit begeben. Durch den Noroviren Ausbruch im Alters- und Pflegeheim Rosengarten wurde das Nachschubproblem verschärft, da dort der Schutzmaterialverbrauch durch den Ausbruch sehr hoch war und das von unserem Betrieb benötigte Material nicht mehr oder nur noch bedingt geliefert werden konnte.
In der Befürchtung kein Händedesinfektionsmittel auftreiben zu können, habe ich in der Apotheke teure, desinfizierende Seife besorgt. Dieser Kauf war retrospektiv ein Fehlentscheid, was wir jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnten.
Überhaupt mussten wir hygienisch gesehen einige Abstriche am vorhandenen Hygienekonzept machen, sei es bezüglich des Wiederauffüllens von Händedesinfektionsflaschen oder in Bezug auf das Nichttragen von Hygienemasken zu Beginn der Krise, da es einfach nicht möglich war an Masken zu kommen. Als durch den Kanton der Nachschub an Hygienemasken lief, mussten diese 8 Stunden lang getragen werden. Auch durchnässte Masken durften nicht gewechselt werden. Erleichtert fühle ich mich, dass nun die Lager gut gefüllt sind, der Nachschub klappt, und die Masken nur noch einen halben Tag getragen werden, was die Sicherheit für unsere Kundschaft wesentlich erhöht. Ziel ist es nun, langsam wieder zu unserem gewohnten Standard zurück zu kommen. Dies hängt natürlich an der Verfügbarkeit von industriell gefertigtem Desinfektionsmittel ab.
Schutzkittel waren lange ebenfalls nicht zu bekommen und dann lediglich zu einem sehr hohen Preis. Nun sind wir aber sicher, dass die vorhandenen Schutzkittel Corona tauglich sind, da diese wirklich keine Flüssigkeit hindurchlassen und somit unserem Schutz dienen.
An der ETH Zürich konnte, dank der Vermittlung von Anita Schäfli gratis 10 Schutzschilder für das Gesicht bestellt werden. Leider ist die Anwendungsanleitung nur in Englisch erhältlich und muss nun noch übersetzt werden. Eine Schulung für die richtige Anwendung dieser und dem An- und Ausziehen der Schutzausrüstung muss mit ausgewählten Mitarbeitenden noch in Angriff genommen werden. Die Anleitung An- und Ausziehen von Schutzausrüstung wurde aus dem Q Word ausgedruckt, am Pflegeboard aufgehängt sowie durch ein YouTube Video ergänzt.
Der Umgang mit den Hygienemasken wurde mehrmals thematisiert. Ebenfalls die Händepflege, die persönliche Hygiene, die 5 Momente der Händehygiene (wann nehme ich eine Händedesinfektion vor?), die Anwendung von Schutzhandschuhen und die Hustenetikette. Zudem war den Spitex News vom Februar 2020 zu entnehmen, dass keine Klemmen, Scheren, Pflaster etc. in den Säcken der Pflegeschürzen mitgeführt werden dürfen, sondern dass das Material Kundschaft bezogen angewendet werden soll.
Dank der besuchten Hygiene Weiterbildung Ende Februar am Kantonsspital Aarau konnte ich mich bezüglich Covid-19 auf den aktuellen Stand bringen, was für mich und somit für unsere Spitex Organisation sehr wichtig und hilfreich war.
Im Februar habe ich das neue Hygiene Tool bei der Firma Schindler und Frey bestellt. Leider ist die Bestellung im ganzen Corona Chaos in der Firma untergegangen, sodass das neue Hygiene Tool erst im April aufgeschaltet werden konnte. Um den Mitarbeitenden den Inhalt des Tools näher zu bringen, habe ich in Zusammenarbeit mit Priska Beer, welche den technischen Teil übernahm, für jede Berufsgattung Aufgaben gestaltet. Diese und die Anleitung für das Einrichten des Tools sind den Spitex News vom Mai 2020 zu entnehmen. Fleissig gelangten die Antworten via Postfächer zu mir. Die Rückmeldungen dazu waren gut, vor allem in Bezug darauf, dass bei Hygienefragen jederzeit mittels eines Icons auf dem Natel schnell und problemlos darauf zugegriffen werden kann. Computertechnisch benötigten einige der Mitarbeitenden Hilfe bei der Anmeldung und dem Einrichten des Tools. Hingegen meldeten viele Mitarbeitende dass die Anwendung im Tool einfach und selbsterklärend sei. Dank des Tools sollte unsere Organisation nun hygienisch stets auf dem neusten Stand sein. Eine grosse Aufgabe wird sein, die bestehenden Standard- und Prozess Dokumentationen zu prüfen und bei Bedarf auf das Tool zu laden.
Weitere Themen im letzten halben Jahr, waren der Umgang mit der Sharpbox, Umgang mit den Stauschläuchen, den Pflege Taschen, den Pflegeschürzen und das Auffüllen der Händedesinfektionsflaschen bei der Kundschaft. Das Tragen von jeglichen Ringen, auch Ehe- und Freundschaftsringen, ist während des Einsatzes bei unserer Kundschaft seit dem Aufschalten des Hygienetools nicht mehr erlaubt. Dies wurde in der letzten Ausgabe der Spitex News thematisiert. Es ist mir bewusst, dass dies für einige der Mitarbeitenden eine schwerwiegende und emotionelle Weisung ist. Mit Gesprächen versuchte ich diesbezüglich die negativen Gefühle aufzufangen.
Im Juni wurde die jährliche obligatorische Kontrolle der Händedesinfektion durchgeführt mit dem Ziel, die Qualität der Händedesinfektion zu verbessern. Für alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt (Mitarbeitende der Hauswirtschaft und Pflegende) war diese Selbstkontrolle obligatorisch. Die Kontrolle wurde anhand eines eigens dafür entworfenen Formulars mit Anleitung in Eigenregie durchgeführt. Die Antworten waren anonymisiert. Kriterien waren die Benetzungslücken sowie das Tragen von Ringen, Armbanduhr oder Armband, Nagellänge, das Tragen von Nagellack und Gelnägeln.

Resultate:

Kontrollierte Personen: 35 Personen

Keine Benetzungslücken: 10 Personen

Geringe Benetzungslücken: 11 Personen

Mittlere Benetzungslücken: 11 Personen

Ausgeprägte Benetzungslücken 3 Personen

Wo traten Benetzungslücken auf:

Handinnenfläche: 1
Handaussenfläche 9
Daumen: 5
Fingerkuppen/Nagelpfalz 7
Handgelenke 5
Fingerzwischenräume 5

**Gründe für die Benetzungslücken: **

Zu wenig HD verwendet 10
Areale vergessen 9
Anderes 5

Weitere Probleme:

Uhr 1
Ehe/Freundschaftsring 4
Ring mit Steinen 2
Ring mit Rillen 1
Lange Fingernägel 4
Nagellack 0
Gelnägel 1

Verbesserungspotential:

  • Menge beachten 3-5 ml
  • Handinnenflächen weiterhin so gut benetzen
  • Auf Fingerkuppen und Daumen achten
  • Handaussenflächen nicht vergessen
  • Alle zu benetzenden Stellen 5 Sekunden einreiben (bei 6 Schritten)

Vergleich 2019 mit 2020
Spitex
Spitex

Aus den Diagrammen ist ersichtlich, dass sich die Qualität der Händedesinfektion im Vergleich zum letzten Jahr verbessert hat. Zu beachten ist, dass letztes Jahr die Rubriken keine oder geringe Benetzungslücken gemeinsam geführt wurden. Dieses Jahr habe ich die beiden Rubriken getrennt. Wenn man die beiden Rubriken keine und geringe Benetzungslücken zusammennimmt, ist die Verbesserung im Vergleich zum letzten Jahr ersichtlich. Zu beachten ist zudem, dass einige der Mitarbeitenden neu sind und in unserem Betrieb noch keine Kontrolle durchführen konnten.

Spitex
Spitex

Die Orte der Benetzungslücken sind in etwa gleichgeblieben. Zu beachten ist, dass die Rubrik Fingerzwischenräume neu hinzugekommen ist.

Spitex

Von den meisten der Mitarbeitenden habe positive Rückmeldungen zu der Aktion erhalten. Es ist uns bewusst, wie wichtig eine effektive Händehygiene ist. Ich spüre eine grosse Bereitschaft im Team die Qualität der Händehygiene zu verbessern oder die Bestätigung dafür, dass die eigene Technik der Händedesinfektion gut ist. Überrascht zeigten sich viele der Mitarbeitenden wie viel Händedesinfektionsmittel es braucht, um eine effektive Händedesinfektion zu erreichen. Die meisten Mitarbeitenden schätzen es, regelmässig einen Refresher der Händedesinfektion machen zu können. Somit werde ich diese Aktion nächstes Jahr in diesem Setting wiederholen. Dank der Selbstkontrolle fiel der Planungsaufwand weg, die Mitarbeitenden waren flexibel, wann sie die Kontrolle durchführen wollten, und ich musste dafür nicht oder nur bei Bedarf anwesend sein. Ich werde nächstes Jahr erneut mein Vertrauen daraufsetzen, dass die Formulare wahrheitsgetreu ausgefüllt werden.
Concetta Gunti
Hygieneverantwortliche SPITEX Laufental
Laufen, im Juni 2020